Buchpreisbindung statt Buchpreisfindung

Eine Meldung dieser Woche soll, auch wenn die Woche zuende geht, nicht unkommentiert bleiben. Bertelsmann baue einen Netz-Kiosk, in dem man Digitalmedien shoppen könne, hieß es. Magazin, Zeitung, Buch – alles ohne Einschränkung verfügbar. Also eine offene Plattform und damit das Gegenteil der Strategie, die Apple verfolgt. Schön, und sicher auch ein guter Zeitpunkt, um so ein Vorhaben vorzustellen, denn Mitte des Monats hatte ja bereits ein Zusammenschluss verschiedener Mobilfunkanbieter verkündet, Apple (und auch Googles Android Market?) mit einem eigenen App-Store Konkurrenz machen zu wollen.

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Autor: mongrel Kategorie: Buchmarkt, Internet | Tags: , ,

Alice in Wonderland

Ein Interview mit Tim Burton, das er bereits im vergangenen Jahr (anlässlich einer Ausstellung im MoMA im November 2009) gegeben hat. Gerade jetzt interessant, weil er auch auf seinen Film “Alice in Wonderland” eingeht, der in der ersten Märzwoche Premiere haben wird. Wahrscheinlich werde ich mir den Film nicht ansehen, weil ich fürchte, dass Burton meine eigenen diffusen Bilder zu dieser Erzählung (die genauso wie Burtons Film in enger Verbindung mit den Illustrationen der Erstausgabe von Tenniel stehen) durch die Lautstärke, Präzision und Schärfe seines Films aus meinem Kopf vertreiben wird.

Detail am Rande: Der Protest britischer Kinobetreiber, die drohten, den Film zu boykottieren, weil Disney bereits drei Monate nach der Premiere mit der Distribution der DVD beginnen will.

Autor: mongrel Kategorie: Film | Tags:

Nachtrag zu: Versagen, Tag für Tag

Dass Stefan Niggemeier über einen Tinnitus klagt, dafür kann man Verständnis aufbringen. Er meint damit das schrille, fortwährende Störgeräusch, das Deutschlands Zeitungs- und Zeitschriftenverleger und Privatfernsehenveranstalter im Kampf gegen die Internetpräsenz von ARD und ZDF erzeugen. Auf “Verlogenheit”, mit der es zur Sache geht, und “ununterbrochenes Geheule” reagiert er vorgeblich mit Unverständnis und kritisiert die fehlende Argumentationslogik. Schließlich weist er auf einen Beitrag des epd in ähnlicher Tonlage hin, in dem die Ereignisse als “Mongolian Clusterfuck” bezeichnet werden (womit ein “vorgeplantes, nach einem Drehbuch ablaufendes Ereignis, das keinen Nachrichtenwert hat”, gemeint ist).

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print | Tags: ,

Uncatchable Lead

Ein großer Fan winterolympischen Sports bin ich nicht. Aber selbst mir drängt sich der Eindruck auf, dass sich neben den Klassikern immer stärker neue Sportarten in den Vordergrund drängen. Crossboarding ist eine dieser neuen Disziplinen. Da man bereits in Turin ahnen konnte, was sich hier entwickelt, sei hier noch einmal an das legendäre Rennen erinnert, das die Favoritin Jacobelli quasi im Zieleinlauf verlor.

Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen | Tags:

Der nächste Crash #1

Anfang der Woche wurde von Spiegel-Autor Mark Pitzke hier ein Beitrag mit dem Titel “Immobilienblase: US-Experten fürchten den nächsten Mega-Crash” veröffentlicht.

Für mich hatte dieser Artikel eine besondere Bedeutung: Beim letzten Crash habe ich nicht verstanden, wie es zu diesem Crash gekommen war. Das ist das eine. Zudem beschlich mich seinerzeit aber auch das Gefühl, das es denjenigen, die täglich darüber schrieben, nicht sehr viel besser ging als mir. Also sagte ich mir, beim nächsten Mal achtest du ein bisschen besser auf das, woran es liegt. An der eigenen Begriffsstutzigkeit oder der Berichterstattung, die aus sich heraus nicht verständlich ist.

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Autor: mongrel Kategorie: Volkswirtschaft | Tags: ,

veryimportantpixels

Ein erstaunliches Angebot präsentiert hier der belgische Designer Kristof Saelen: auf Pixelmaßstab miniaturisierte Porträts bekannter Persönlichkeiten. Jeweils im Fünfer oder Vierer-Set. Ich kenne zwar nicht jeden Promi, aber die, die ich kenne, sind gut getroffen. Und Abba habe ich erkannt, obwohl ich Abba gar nicht kenne.

VIPs Contest Winners

Die Güte der Porträts ist besonders augenfällig, wenn man sich die fünf Gewinner des VIPs contest on Twitter anschaut. Aus 170 Teilnehmern wurden sie auserwählt, um in die Reihe der veryimportantpixels aufgenommen und damit für immer im Netz verewigt zu werden.

Natürlich kann man sich seine persönliche Auswahl der veryimportantpixels auch auf’s T-Shirt drucken lassen.

Autor: mongrel Kategorie: Medienkunst | Tags:

Versagen, Tag für Tag

Bereits 2007 hatte die Europäische Kommission entschieden, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland mit europäischem Recht vereinbar ist. Zugleich wurde mit dieser Entscheidung eine sichere rechtliche Grundlage für die Digitalisierung des Angebots von ARD und ZDF geschaffen. Es wurden allerdings auch Bedingungen gestellt: Der Programmauftrag der Öffentlich-Rechtlichen sei zu präzisieren und es sei eine klare Trennung zwischen Programm und Kommerz zu sichern. Die Bundesländer haben hierfür mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag den Rahmen gesteckt und dabei entschieden, dass “nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote … nicht zulässig” sind. Ob die Online-Angebote von ARD und ZDF sendungsbezogen sind oder nicht, wird derzeit in einem sogenannten Dreistufentest überprüft. Von wem? Von den Anstalten selbst, ist doch klar.

Das wiederum erregt den Zorn der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, die erkennen wollen, dass ARD und ZDF gerade dabei sind, sich umfassende Freibriefe auszustellen, die jede Art von Angebot im Netz zulassen. Der VDZ zum Beispiel erklärt: “Die jetzt öffentlich gewordene Vorlage des NDR-Rundfunkrates über einen Ausbau von Tagesschau.de ist eine Kampfansage an alle frei finanzierten Medien. Die Zeitschriftenverleger werden diese Grenzüberschreitung der ARD nicht akzeptieren und alle politischen und rechtlichen Mittel dagegen in Bewegung setzen”. Die Gegenseite unterstellte hingegen bereits im vergangenen Jahr, dass die “Geschäftsinteressen” der Privaten “zum Primat des Allgemeininteresses erhoben werden” sollten.

Es ist sicher nicht erstaunlich, dass keine der beteiligten Parteien klarstellt, wie ihre tatsächlichen Beweggründe in dieser Auseinandersetzung aussehen. Dabei haben die Streitenden mehr gemeinsam, als sie offenlegen: Denn es ist eine Tatsache, dass den Printmedien, ganz besonders den Tageszeitungen, die Leser wegsterben und dem Hörfunk die Hörer. Auch das Fernsehen, egal ob privat oder gebührenfinanziert, wird über kurz oder lang realisieren, dass es die besten Jahre hinter sich hat. Es geht also um den zukünftigen Platz an der Sonne, und der liegt im Netz, vermuten die Beteiligten.

Natürlich versteht man den Ärger der Print-Verleger, die Online keine Rendite erwirtschaften: “Online Advertising is still a lousy business”, hieß es jüngst bei der Digital-Konferenz DLD in München. Keine Erträge, dennoch müssen sie sich im Netz gegen die finanziell gut ausgestattete öffentlich-rechtliche Konkurrenz verteidigen. Die wiederum dem Auftrag, auf den sie sich ständig beruft, mit ihren Online-Angeboten in meinen Augen nur wenig Ehre macht.

Die wahren Schuldigen sind eigentlich wir. Wir sind es schließlich, die dem Netz den Vorzug geben, statt morgens eine Zeitung zu kaufen, tagsüber WDR zu hören und abends die Tagesschau einzuschalten.

Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Print | Tags:

Mr Toledano

Gestern ist er mir bei BoingBoing wieder begegnet. Das letzte, woran ich mich davor erinnern kann, war Phonesex. Das erste Gamers. Wo ich die beiden Serien seinerzeit gefunden habe, weiß ich nicht mehr. Wenn man ihn googelt, zeigt sich, er ist bisher im deutschsprachigen Teil des Netzes nur selten aufgetaucht. Ausdrücklich gewürdigt worden ist er in jüngerer Zeit nur bei GoSee und farbwolke.

Den Fotografen Phillip Toledano, der sich selbst Mr Toledano nennt, hier als Medienkünstler vorzustellen, erlaube ich mir nicht, weil er seine Arbeiten im Internet präsentiert. Das tun, obwohl es nicht einfach ist, viele Fotografen. Es ist die Art, wie er seine Bilder im Netz zeigt: kompromisslos, nackt, auf ihre Wirkung vertrauend, mit allergrößtem, spürbaren Respekt für das Gezeigte. Ein weiterer Grund ist, dass er sich immer wieder mit medialen Phänomenen beschäftigt. Über Phonesex sagt er: “Phone-sex is theatre. An artificial passion-play in real-time, directed by a skilled verbal fantasist, with only one possible conclusion.”

Mr Toledano zeigt nun etwas Neues. Auf seiner Website zu sehen ist A new Kind of Beauty, eine Serie, die 2008 begonnen und irgendwann in den vergangenen Wochen abgeschlossen wurde. Toledano fragt, was Identität ist. Die Menschen, die er zeigt, haben versucht, mithilfe plastischer Chirurgie ihre Identität zu verändern, und weil man ihnen ansieht, dass sie etwas verloren haben, fragt man sich, was sie zu gewinnen hofften.

Tiana, A new Kind of Beauty, Phillip Toledano

Nicht um etwas Kunstwissenschaftliches beizutragen, möchte ich darauf hinweisen, dass Toledano eine Bildwelt evoziert, die ihre Wurzeln irgendwo in der Renaissance, vielleicht in der Ikonographie der Kreuzabnahme, Grablegung oder Salbung Christi hat. Man darf darin ein Streben nach Klassizität sehen. Eine Intention, die mir gut gefallen würde, weil die Gezeigten dann die Würde zurückbekämen, die ihnen auf dem OP-Tisch abhanden gekommen ist.

Die bei GoSee gezeigten Bilder sind insofern von besonderem Interesse, weil Auftragsarbeiten zu sehen sind, die nicht auf Toledanos Website gezeigt werden. Offenbar trennt er zwischen gewerblichen Aufträgen und selbstgetriebener Arbeit. Auch das macht nicht jeder Fotograf. Man erkennt aber bei diesen Arbeiten ganz besonders gut das geradezu unheimliche Potenzial Toledanos, Ambivalenz zu inszenieren.

Autor: mongrel Kategorie: Fotografie, Medienkunst | Tags: ,

Danke, …

… dass das mal gesagt wurde.

Autor: mongrel Kategorie: Internet | Tags:

Neue Öffentlichkeit #2

Vielleicht ist es ja sogar falsch, im Hinblick auf Facebook-User, die private Informationen über sich im Netz verteilen, von Öffentlichkeit zu sprechen. Zu diesem Schluss muss man eigentlich gelangen, wenn man den Begriff so nimmt, wie er von Habermas definiert wurde. Auch wenn Facebook immer noch eine “publizistisch bestimmte Öffentlichkeit” ist, die erst durch ein Publikum entsteht, deckt sich die Habermassche Definition nur unvollkommen mit den dort entstehenden Sachverhalten.

Das gilt ganz besonders dann, wenn der von Christian Stöcker beispielhaft herangezogene googelnde Personalchef von Informationen Gebrauch macht, die eigentlich nicht für ihn bestimmt sind. Schließlich beruht Öffentlichkeit bei Habermas auf einem Konsens zwischen dem, der sich äußert, und dem, der diese Äußerung wahrnimmt. Bei Facebook hingegen zählt die Übereinkunft der Beteiligten nicht zu den konstituierenden Bausteinen. In diesem Sinne verstehe ich Christian Stöckers Forderung einer “neuen Öffentlichkeit”. Folgerichtig bedarf sie einer neuen Moral.

Man kann an der These, dass diese Öffentlichkeit neu ist, auch dann festhalten, wenn man sich daran erinnert, dass es immer schon eine nicht intendierte Öffentlichkeit gegeben hat, allerdings exklusiv für Politiker, Prozessbeteiligte oder Größen des Showbusiness. Personen der Zeitgeschichte, so sagt es das Gesetz, müssen Einschränkungen der Privatsphäre in Kauf nehmen. Im Grunde kann jede ihrer Lebensäußerungen, ihr Sterben eingeschlossen, von öffentlichem Interesse sein. Bei Menschen, die es so weit nicht gebracht haben, ist das anders: Eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte droht diesem Personenkreis immer dann akut, wenn irgendeine Art von Grenzüberschreitung, ein Misslingen bei der Einhaltung irgendeiner generischen Norm aufgezeichnet und hochgeladen wird.

In dieser neuen Öffentlichkeit ist nicht nur zu fürchten, dass ein Appell an die Moral wirkungslos bleiben wird. Vielmehr ist es denkbar, dass sich unser Verhalten ändern wird, allerdings nicht im Netz, sondern im wirklichen Leben. Es gibt kaum noch einen öffentlichen Ort, an dem es keine Kameras gibt. Womit nicht die zahlreichen Überwachungskameras gemeint sind. Im Gegenteil: Die Allgegenwärtigkeit privater Kameras könnte dazu führen, dass unsere Unbefangenheit auf der Strecke bleibt, weil wir nichts ohne die Furcht tun können, mit diesem Tun, egal ob es öffentlich oder privat ist, besonders wenn es im obigen Sinne misslungen ist, im Netz zu landen. Wir müssen uns also in Acht nehmen. Der Erfindungsreichtum der Anbieter kennt keine Grenzen. Eine Variante, bei der die Anonymität der Gezeigten noch relativ weitgehend gewahrt wird, sind hochgeladene Videos, die sich mit dem Themen wie “Typisch Frau!” oder “Wenn Frauen einparken” befassen. Eine andere sind Websites, die dazu einladen, intime Bilder früherer Freundinnen einzustellen, mit dem ausdrücklich erklärten Ziel, sich an der Verflossenen zu rächen.

Hier zeigt sich leider, dass die Konfrontation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur einer der möglichen Frontverläufe ist. Darüber hinaus entwickelt sich im Netz offenbar eine große Zahl weiterer neuer Öffentlichkeiten, deren Interaktion und Dynamik bislang nur wenig Raum in unseren Überlegungen hat.

Autor: mongrel Kategorie: Internet | Tags: , ,