Der Bundespräsident hat heute, anlässlich seiner Teilnahme an der Gedenkfeier in Winnenden, die Öffentlichkeit wissen lassen, es sei erwiesen, dass detaillierte Berichterstattung über Amok-Täter, ihre Motive, ihre Planungen, ihre Vorgehensweise sowie Tatablauf, Kleidung und Waffen Nachahmer auf den Plan rufe. Köhler weiter wörtlich: “Ich schließe mich deshalb dem Expertenrat der baden-württembergischen Landesregierung an: Wir brauchen klar definierte Berichterstattungsregeln, die gemeinsam mit den Medien erarbeitet werden; wir brauchen einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention”. Köhler sprach im Winnenden auch von einer drohenden Verrohung, gegen die man sich zur Wehr setzen müsse und erwähnte in diesem Zusammenhang Videospiele, über die die Meinungen der Wissenschaft auseinander gingen.
Ich finde es überaus erstaunlich, dass in der Diskussion über Videospiele, letztendlich aber auch in der Kritik an der Berichterstattung über Winnenden, ausschließlich auf die Lust an Gewalt fokussiert und Gewalt aus ihrem Kontext herausgelöst wird. Wobei auch dem Bundespräsidenten klar sein dürfte, dass hier die grundsätzliche Frage nach der Funktion und Wirkung von Medien angeschnitten wird. Sobald man dies eingesteht, dass nämlich Medien nicht nur im Falle der Gewaltdarstellung Wirkungen erzeugen, stellen sich interessante Fragen. Auch in Bezug auf Winnenden. Denn müsste man dann nicht die Problematisierung in die der Gewalt verwandten Bereiche der Darstellung (zum Beispiel von “Meinungsverschiedenheit”, “Konfliktbewältigung”, “Streit”, “Autorität” usw.) vorantreiben?
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