Volkswirtschaftliche Bildung

Vermutlich bin ich nicht der einzige Mensch, dem es schwer fällt, dem Ablauf der griechischen Tragödie, die im Augenblick in den Medien gegeben wird, zu folgen. Auch wenn ich mich intensiv bemühe, zu verstehen, was vor sich geht, stoße ich, dank ausgesprochen bescheidener volkswirtschaftlicher Bildung, sehr schnell an meine Grenzen.

Auch kaufmännisches Wissen, ja nicht einmal kaufmännische Erfahrung, die das berufliche Leben so mit sich bringt, hilft hier weiter. Denn was für die Mikroökonomie gilt, ist nicht ohne weiteres auf die Makroökonomie übertragbar. So hat man es mir beigebracht. Wachstum, so hieß es einmal, sei eine für jede funktionierende Volkswirtschaft unabdingbare Voraussetzung. Als ich dem entgegenhielt, dass diese apodiktische Weisheit wohl kaum auf den Bäcker an meiner Ecke zutreffen könne, denn dann müsse dieser heute 10, morgen 20 und übermorgen 30 Brötchen verkaufen, um überleben zu können, wusste man diesen Einwurf nicht zu entkräften, bestand aber dennoch auf der Richtigkeit der Wachstumstheorie.

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Print, Volkswirtschaft | Tags:

Danke GEZ!

Wer schon länger nicht mehr richtig gelacht hat, findet hier gute Gelegenheiten, sein Defizit auszugleichen. Die GEZ nutzt doch tatsächlich einen Teil des von ihr eingetriebenen Gebührenaufkommens (das waren in 2008 erkleckliche 7,26 Milliarden Euro), um neuerdings ein Forum im Netz zu betreiben: “Tauschen Sie sich mit anderen Besuchern aus, diskutieren Sie und teilen Sie Ihre Meinung zur GEZ und den Rundfunkgebühren mit. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!” Diese Freude wird von kurzer Dauer sein. Wieso? Tja, Gegenfrage: Wie viele begeisterte GEZ-Gebührenzahler wird es in Deutschland wohl geben? Mehr als die zehn, die sich zu Testimonials für die Werbung der GEZ  bereitgefunden haben, wahrscheinlich nicht. Wir empfehlen der GEZ ein raschen Wechsel ihrer Kommunikationsberater und bevor sie sich neue sucht, einen Besuch in der Blogbar oder hier.

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk | Tags: ,

Josh Cohen über Google News

Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob das Interview mit Josh Cohen, der sich als “Business Product Manager for Google News” vorstellt, die Zukunft des Medienprodukts Nachrichten schildert oder ob seine Schilderung nur alter Wein in neuen Schläuchen ist. (Das Interview ist leider relativ kurz.)

Solange es noch Fernsehsender gibt, wie wir sie kennen, werden Tagesschau und Tagesthemen Teil ihrer Legitimation sein und waren es schon immer. Mit Nachrichten glauben vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender, sich als Leistungsträger der Demokratie positionieren zu können.

Da ist es wichtig, mal ganz genau hinzuhören, wie Google sich die Zukunft dieses Medienprodukts vorstellt.

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print | Tags: ,

Nachtrag zu: Versagen, Tag für Tag

Dass Stefan Niggemeier über einen Tinnitus klagt, dafür kann man Verständnis aufbringen. Er meint damit das schrille, fortwährende Störgeräusch, das Deutschlands Zeitungs- und Zeitschriftenverleger und Privatfernsehenveranstalter im Kampf gegen die Internetpräsenz von ARD und ZDF erzeugen. Auf “Verlogenheit”, mit der es zur Sache geht, und “ununterbrochenes Geheule” reagiert er vorgeblich mit Unverständnis und kritisiert die fehlende Argumentationslogik. Schließlich weist er auf einen Beitrag des epd in ähnlicher Tonlage hin, in dem die Ereignisse als “Mongolian Clusterfuck” bezeichnet werden (womit ein “vorgeplantes, nach einem Drehbuch ablaufendes Ereignis, das keinen Nachrichtenwert hat”, gemeint ist).

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print | Tags: ,

Versagen, Tag für Tag

Bereits 2007 hatte die Europäische Kommission entschieden, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland mit europäischem Recht vereinbar ist. Zugleich wurde mit dieser Entscheidung eine sichere rechtliche Grundlage für die Digitalisierung des Angebots von ARD und ZDF geschaffen. Es wurden allerdings auch Bedingungen gestellt: Der Programmauftrag der Öffentlich-Rechtlichen sei zu präzisieren und es sei eine klare Trennung zwischen Programm und Kommerz zu sichern. Die Bundesländer haben hierfür mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag den Rahmen gesteckt und dabei entschieden, dass “nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote … nicht zulässig” sind. Ob die Online-Angebote von ARD und ZDF sendungsbezogen sind oder nicht, wird derzeit in einem sogenannten Dreistufentest überprüft. Von wem? Von den Anstalten selbst, ist doch klar.

Das wiederum erregt den Zorn der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, die erkennen wollen, dass ARD und ZDF gerade dabei sind, sich umfassende Freibriefe auszustellen, die jede Art von Angebot im Netz zulassen. Der VDZ zum Beispiel erklärt: “Die jetzt öffentlich gewordene Vorlage des NDR-Rundfunkrates über einen Ausbau von Tagesschau.de ist eine Kampfansage an alle frei finanzierten Medien. Die Zeitschriftenverleger werden diese Grenzüberschreitung der ARD nicht akzeptieren und alle politischen und rechtlichen Mittel dagegen in Bewegung setzen”. Die Gegenseite unterstellte hingegen bereits im vergangenen Jahr, dass die “Geschäftsinteressen” der Privaten “zum Primat des Allgemeininteresses erhoben werden” sollten.

Es ist sicher nicht erstaunlich, dass keine der beteiligten Parteien klarstellt, wie ihre tatsächlichen Beweggründe in dieser Auseinandersetzung aussehen. Dabei haben die Streitenden mehr gemeinsam, als sie offenlegen: Denn es ist eine Tatsache, dass den Printmedien, ganz besonders den Tageszeitungen, die Leser wegsterben und dem Hörfunk die Hörer. Auch das Fernsehen, egal ob privat oder gebührenfinanziert, wird über kurz oder lang realisieren, dass es die besten Jahre hinter sich hat. Es geht also um den zukünftigen Platz an der Sonne, und der liegt im Netz, vermuten die Beteiligten.

Natürlich versteht man den Ärger der Print-Verleger, die Online keine Rendite erwirtschaften: “Online Advertising is still a lousy business”, hieß es jüngst bei der Digital-Konferenz DLD in München. Keine Erträge, dennoch müssen sie sich im Netz gegen die finanziell gut ausgestattete öffentlich-rechtliche Konkurrenz verteidigen. Die wiederum dem Auftrag, auf den sie sich ständig beruft, mit ihren Online-Angeboten in meinen Augen nur wenig Ehre macht.

Die wahren Schuldigen sind eigentlich wir. Wir sind es schließlich, die dem Netz den Vorzug geben, statt morgens eine Zeitung zu kaufen, tagsüber WDR zu hören und abends die Tagesschau einzuschalten.

Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Print | Tags: