Jobsuche bei der Süddeutschen

Unter den zahllosen Zukunfts-Baustellen, mit denen wir uns Tag für Tag konfrontiert sehen, ist eine, die bereits in ihrem konzeptionellen Diskurs, also von vorneherein, in Gefahr ist, sich zu einem Fass ohne Boden zu entwickeln. Ich meine das Notprogramm, das die Medien, vor allem die Printmedien, für sich selbst an Stelle stabiler Zukunftsstrategien entworfen haben. Man kann das als Symptom nehmen, durch das erkennbar wird, wie rasant das Tempo ist, mit dem die “bürgerliche Öffentlichkeit” ihrem Ende entgegeneilt. Die Brisanz der Entwicklung dokumentieren auch die Scharmützel zwischen Bloggern und Journalisten, die nur vor dem Hintergrund der prekären Marktlage des Journalismus verständlich sind.

Zur Konzeption der bürgerlichen Öffentlichkeit gehört eine Reihe von Werten, die nach wie vor jeden die Rolle der Presse betreffenden Diskurs bestimmen, auch wenn sie nicht unmittelbar angesprochen werden. Diese Werte bildet das sogenannte Spiegel-Urteil ab, in dem das Bundesverfassungsgericht 1966 die Bedeutung der Presse für die Willensbildung in der repräsentativen Demokratie gewürdigt hat. Leider fällt kaum auf, dass die Repräsentanten des Journalismus gern dieses von den Verfassungsorganen entworfene Idealbild für sich in Anspruch nehmen, ohne darauf hinzuweisen, dass es wenig bis nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, jetzt nicht und auch früher nicht.

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Autor: mongrel Kategorie: Print | Tags: , , ,

Volkswirtschaftliche Bildung

Vermutlich bin ich nicht der einzige Mensch, dem es schwer fällt, dem Ablauf der griechischen Tragödie, die im Augenblick in den Medien gegeben wird, zu folgen. Auch wenn ich mich intensiv bemühe, zu verstehen, was vor sich geht, stoße ich, dank ausgesprochen bescheidener volkswirtschaftlicher Bildung, sehr schnell an meine Grenzen.

Auch kaufmännisches Wissen, ja nicht einmal kaufmännische Erfahrung, die das berufliche Leben so mit sich bringt, hilft hier weiter. Denn was für die Mikroökonomie gilt, ist nicht ohne weiteres auf die Makroökonomie übertragbar. So hat man es mir beigebracht. Wachstum, so hieß es einmal, sei eine für jede funktionierende Volkswirtschaft unabdingbare Voraussetzung. Als ich dem entgegenhielt, dass diese apodiktische Weisheit wohl kaum auf den Bäcker an meiner Ecke zutreffen könne, denn dann müsse dieser heute 10, morgen 20 und übermorgen 30 Brötchen verkaufen, um überleben zu können, wusste man diesen Einwurf nicht zu entkräften, bestand aber dennoch auf der Richtigkeit der Wachstumstheorie.

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Print, Volkswirtschaft | Tags:

Ende einer Legende

Hatten wir die Frage nach der Henne und dem Ei schon mal? Ja, hatten wir. Und zwar hier. Es ging in diesem Blogpost um die Öffnung der Springer-Archivs, durch die nachvollziehbar wird, wie die Zeitungen des Springer-Konzerns seinerzeit über die sogenannte 68er-Revolte berichteten. Von besonderem Belang ist die Öffnung des Archivs im Hinblick auf die Verantwortung für das Attentat an Rudi Dutschke, die viele der Zeitgenossen bei Bild und BZ sahen. Dass die außerparlamentarische Opposition die Springerblätter als geistige Anstifter sah, was zum Versuch einer Blockade des Verlages führte, stützte sich auf die Marktmacht des Verlagshauses und seine antikommunistische Haltung im allgemeinen und konkret auf den Vorwurf, Dutschke sei zum “Volksfeind” erklärt worden. Damit sei der Boden für die Gewalttat Josef Bachmanns bereitet worden. Den ganzen Beitrag lesen »

Autor: mongrel Kategorie: Internet, Print | Tags: , ,

Ein alter Bekannter: Lesernutzen

Wer in früheren Zeiten unschuldig das Wort Pressemarkt in den Mund nahm, dem dürfte diese Gewohnheit in den vergangenen Monaten und Wochen mehrfach sauer aufgestoßen sein. Nicht nur weil das eine oder andere Verlagshaus im Rahmen seiner Bestrebungen, ein Höchstmaß an Marktkonformität herzustellen, Redakteure entlassen hat, sondern weil das amerikanische Unternehmen Demand Media die Diskussionen über die zukünftige Medienlandschaft aufs Neue beflügelt.

Dem Gejammer zum Trotz muss man sagen, dass die nachfrageorientierte Produktion von Content nichts Neues ist. Schließlich geht es hier um nichts anderes als die Forderung nach “Lesernutzen”, die ja auch vor dem Entstehen des Internets gelegentlich von Chefredakteuren erhoben worden sein soll. Bereits als sie zum ersten Mal ertönte, zielte sie nicht unbedingt auf Qualitätsjournalismus, sondern auf die Steigerung der Werbeerlöse.

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Autor: mongrel Kategorie: Print | Tags: ,

Sentimental: PDF-Mags

PDF-Mags

Es kommt vor, dass etwas Neues sein Neusein verleugnet und zunächst so tut, als sei es etwas Altes. Linoleum zum Beispiel. In Altbauten stößt man bisweilen auf Bodenbeläge aus diesem Material, die mit einem Muster bedruckt sind, mit dem sich das Linoleum den Anschein gibt, ein Perserteppich zu sein. Inzwischen hat sich dieses Material von dieser Art von Mimikri emanzipiert.

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Autor: mongrel Kategorie: Internet, Print | Tags: , ,

Köhler in Winnenden

Der Bundespräsident hat heute, anlässlich seiner Teilnahme an der Gedenkfeier in Winnenden, die Öffentlichkeit wissen lassen, es sei erwiesen, dass detaillierte Berichterstattung über Amok-Täter, ihre Motive, ihre Planungen, ihre Vorgehensweise sowie Tatablauf, Kleidung und Waffen Nachahmer auf den Plan rufe. Köhler weiter wörtlich: “Ich schließe mich deshalb dem Expertenrat der baden-württembergischen Landesregierung an: Wir brauchen klar definierte Berichterstattungsregeln, die gemeinsam mit den Medien erarbeitet werden; wir brauchen einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention”. Köhler sprach im Winnenden auch von einer drohenden Verrohung, gegen die man sich zur Wehr setzen müsse und erwähnte in diesem Zusammenhang Videospiele, über die die Meinungen der Wissenschaft auseinander gingen.

Ich finde es überaus erstaunlich, dass in der Diskussion über Videospiele, letztendlich aber auch in der Kritik an der Berichterstattung über Winnenden, ausschließlich auf die Lust an Gewalt fokussiert und Gewalt aus ihrem Kontext herausgelöst wird. Wobei auch dem Bundespräsidenten klar sein dürfte, dass hier die grundsätzliche Frage nach der Funktion und Wirkung von Medien angeschnitten wird. Sobald man dies eingesteht, dass nämlich Medien nicht nur im Falle der Gewaltdarstellung Wirkungen erzeugen, stellen sich interessante Fragen. Auch in Bezug auf Winnenden. Denn müsste man dann nicht die Problematisierung in die der Gewalt verwandten Bereiche der Darstellung (zum Beispiel von “Meinungsverschiedenheit”, “Konfliktbewältigung”, “Streit”, “Autorität” usw.) vorantreiben?

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Film, Print | Tags:

Nachtrag zu: Magazinkultur

Gewinner des GuteSeiten-Awards 2010 ist Der Wedding. Habe ich leider erst heute mitbekommen (via sommer-in-hamburg.de). Da hier aber über das “Gipfeltreffen der unabhängigen Magazinkultur” berichtet wurde, soll der Hinweis nicht unter den Tisch fallen und der Gewinner nicht unverlinkt bleiben.

Autor: mongrel Kategorie: Print | Tags:

Josh Cohen über Google News

Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob das Interview mit Josh Cohen, der sich als “Business Product Manager for Google News” vorstellt, die Zukunft des Medienprodukts Nachrichten schildert oder ob seine Schilderung nur alter Wein in neuen Schläuchen ist. (Das Interview ist leider relativ kurz.)

Solange es noch Fernsehsender gibt, wie wir sie kennen, werden Tagesschau und Tagesthemen Teil ihrer Legitimation sein und waren es schon immer. Mit Nachrichten glauben vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender, sich als Leistungsträger der Demokratie positionieren zu können.

Da ist es wichtig, mal ganz genau hinzuhören, wie Google sich die Zukunft dieses Medienprodukts vorstellt.

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print | Tags: ,

Magazinkultur

Wer schon immer wissen wollte, ob es irgendwo noch andere als diejenigen Zeitschriften gibt, mit denen das Pressegrosso den Kiosk an der Ecke beliefert, darf sich auf morgen freuen. Denn morgen findet in Hamburg ein Gipfeltreffen unabhängiger Magazine statt. Im Rahmen des GuteSeiten-Festivals wird dort außerdem der GuteSeiten Award 2010 verliehen. Wer dabei ist, erfahren Sie hier:

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Autor: mongrel Kategorie: Medienkunst, Print | Tags:

Nachtrag zu: Versagen, Tag für Tag

Dass Stefan Niggemeier über einen Tinnitus klagt, dafür kann man Verständnis aufbringen. Er meint damit das schrille, fortwährende Störgeräusch, das Deutschlands Zeitungs- und Zeitschriftenverleger und Privatfernsehenveranstalter im Kampf gegen die Internetpräsenz von ARD und ZDF erzeugen. Auf “Verlogenheit”, mit der es zur Sache geht, und “ununterbrochenes Geheule” reagiert er vorgeblich mit Unverständnis und kritisiert die fehlende Argumentationslogik. Schließlich weist er auf einen Beitrag des epd in ähnlicher Tonlage hin, in dem die Ereignisse als “Mongolian Clusterfuck” bezeichnet werden (womit ein “vorgeplantes, nach einem Drehbuch ablaufendes Ereignis, das keinen Nachrichtenwert hat”, gemeint ist).

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Autor: mongrel Kategorie: Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print | Tags: ,